Marias Blog 11.4.20

Gesellschaftliche Transformation

Wirkliche Transformation geschieht durch Erkenntnis. Oftmals ist es so, dass wir durch ein gewaltiges, gewaltsames Ereignis wie z.B. Krankheit, Unfall, Trennungen oder Umweltkatastrophen aufgeschreckt werden, auch wenn es klug wäre hinzuhören, bevor es kracht. Dieses Aufrütteln betrachte ich nicht als „Strafe“ der Natur oder des Lebens oder Gottes. Nein, ich sehe es als Teil des Lebens, als wollte es Reinigungen vornehmen, wo es nicht mehr anders geht. Wenn es gut läuft, führt solch ein Aufschrecken dazu, dass Menschen innehalten und sich fragen, ob es eine Schieflage gibt und sich selbst in die Gleichung mit einbeziehen. Sie fangen an darüber nachzusinnen, welche Handlung, Einstellung oder innere Haltung vielleicht einer Korrektur bedarf – im besten Fall handeln sie auch danach. Das ist aber nicht zwangsläufig bei jedem Menschen in jeder Situation so. Wenn man selber nicht beteiligt ist, ist es oft viel leichter zu erkennen, wo ein Mensch mal hinschauen könnte. Aber die Türen der Erkenntnis sind nicht von Außen aufzubrechen, sondern sie öffnen sich von innen. So schmerzhaft das auch manchmal für die Betrachter sein mag. Wiederholtes Draufhauen von außen auf die Tür ist oftmals zwecklos, es führt nur zu Beulen für alle Beteiligten.

Damit eine Gesellschaft sich verändern kann, braucht es Ein-Sicht von ausreichend vielen Menschen. Obwohl immer mehr Menschen in den vergangenen Jahren bis Jahrzehnten sich auf den Weg gemacht haben, um neue Lebensformen einzuleiten, einen anderen Umgang mit Natur und Mensch zu erforschen und zu Recht auch einzufordern, haben sich die grundlegenden Systeme in Politik, Wirtschaft, Gesundheitswesen und Bildungswesen noch nicht verändert. Wobei das Ausmaß der Zerstörung durch diese stark reformbedürftigen Systeme seit Jahren kaum mehr zu übersehen ist.

Es wird gerne argumentiert, dass z.B. die Politiker einfach zu machtbesessen oder handlungsunfähig sind. Oder dass die Finanzelite Veränderungen sabotiert oder vieles mehr. Diese Einwände haben eine reale Grundlage und ich befürworte jede fundierte Aufklärung wie auch Widerstand in diesem Bereich. Ich bin dankbar, dass sich viele Menschen dieser unangenehmen Aufgabe mit voller Hingabe widmen. Mir ist klar, wie schwierig es ist diese Jobs zu übernehmen: Ruhig zu bleiben, wenn man immer wieder nicht gehört wird und abprallt. Was es bedeutet, möglichst sachlich fundierte Informationen herauszufiltern.

Darüber hinaus ist Sachlichkeit von Haus aus relativ. Ist doch unsere Wahrnehmung immer durch unsere eigene persönliche Brille gefiltert! Wir können nur das wahrnehmen, was unser Bewusstsein aufgrund unserer Sozialisierung, Erfahrungen, Grundannahmen etc. zulässt. Deshalb ist es so ungemein grundlegend, uns auf den Weg zu machen und stetig unser Bewusstsein zu erweitern.

Was die Machthaber dieser Welt angeht, dürfen wir uns alle fragen, warum wir so wenig Weise hatten, die mit ausreichend Hingabe und Weisheit, in Umsicht oder sogar Liebe zum Volk regieren konnten. Warum wurden in den vergangenen Jahrtausenden große Menschen, spirituelle Lehrer, Wissenschaftler, Musiker oder Philosophen oft erst nach ihrem Leben von den Massen erkannt oder gar anerkannt. Jesus ist hier ein herausragendes Beispiel. Jeder weiß, dass die Massen seinen Tod gefordert haben. Würde der Großteil der Christen einen Christus der heutigen Zeit erkennen, wenn er in ganz neuem Gewand daher käme? Ja, man kann sagen, die Massen wurden und werden fehl informiert oder sogar massiv manipuliert. Aber da gehören immer zwei Parteien dazu: Diejenigen, die manipulieren und diejenigen, die sich manipulieren lassen. Schuldzuweisungen sind verständlich und in gewisser Weise menschlich, nur führen sie uns nicht weiter.

Um auf unsere aktuelle Situation zurückzukommen: Wir stecken gerade mitten drin in diesem Aufrütteln. Viele Menschen sind noch in einem Schockzustand und haben sehr viel Angst. Außerdem wissen wir noch immer zu wenig über diese Krankheit. Allein deshalb halte ich es bis jetzt für sinnvoll sehr vorsichtig zu sein und die Anweisungen der sozialen Distanz zu respektieren und voll einzuhalten – und zwar unabhängig von persönlichem Bauchgefühl. Noch immer ein wenig abwarten, obgleich die Zahlen der Statistiken in mancherlei Hinsicht widersprüchlich sind.

Die Maßnahmen der Regierungen ergeben sich unter anderem aus dem vorherrschenden Konsens im Umgang mit Krankheiten. Die überwiegende Mehrheit der Menschen würde sich bei schweren lebensbedrohlichen Krankheiten heutzutage lieber einem Krankenhaus anvertrauen, als Heilpraktikern oder gar Geistheilern. Die ersten Sofortreaktionen auf einen Virus wie Corona mussten sich zunächst auf diese Tatsache beziehen. Aber wäre es nicht jetzt an der Zeit unser einseitig ausgerichtetes Gesundheitssystems zu überdenken? Es gibt inzwischen zahlreiche Berichte über erfolgreiche Behandlungen von Patienten mit Corona mit Hilfe der Homöopathie.

Aufgrund des Infektionsschutzgesetzes ist es Heilpraktikern derzeit in Deutschland verboten Patienten mit Corona zu diagnostizieren und zu behandeln. Da es aber doch um das Leben der Menschen geht, ist es so bedauerlich, dass dieses Infektionsschutzgesetz nicht zumindest für die Zeit der aktuellen Krise ebenso leicht verändert wird wie manche Grundgesetze.

Gehen wir doch nur einmal davon aus, dass die moderne Medizin und die Naturheilkunde bereits seit Jahrzehnten vollkommen offen miteinander kooperieren und in gegenseitigem Respekt zusammenarbeiten würden. Wie könnte dann unser Umgang mit einem Virus wie Corona aussehen? Zunächst einmal würden sich die Regierungen natürlich nicht nur von Virologen und Ärzten, sondern auch von Naturheilkundlern und Homöopathen beraten lassen. Sie würden den Menschen alle Informationen und Mittel zur Verfügung stellen, um ihr Immunsystem zu stärken und sich von Angst und Panik zu befreien – oder zumindest einen heilsamen Umgang damit zu finden. Allein dadurch wäre bereits ein Teil der Krankheitsverläufe abzufangen. Infizierte, die dies wünschen, würden von den Krankenkassen finanzierte naturheilkundliche Behandlungen erhalten (was in der Regel deutlich kostengünstiger ist als schulmedizinische Behandlungen). Alle anderen sowie diejenigen, bei denen diese Mittel nicht greifen, würden in Krankenhäusern versorgt werden. Homöopathen und Naturheilkundler betrachten Krankheiten aus anderen Perspektiven als Allopathen. Und das ist es, was wir hier brauchen: Betrachtungen und Heilweisen aus möglichst vielen Perspektiven. Unsere Welt würde unter diesen Bedingungen derzeit völlig anders aussehen!

Menschen, die das jetzt gar nicht nachvollziehen können, können sich ja mal informieren, wie in der Homöopathie Krankheiten gesehen werden und wie Viruserkrankungen geheilt werden. Und diejenigen unter den Kritikern der Naturheilkunde, die sich auf die Fahne schreiben, offen für alle Meinungen zu sein, mag ich einladen sich darüber hinaus mit der An- und Aberkennung der Homöopathie seit ihrer Begründung durch Hahnemann zu befassen. Sich einmal einzufühlen in Menschen, die aus Jahrzehnte langer Erfahrung wissen, dass Viren sehr erfolgreich mit alternativer Medizin zu heilen sind und deshalb zumindest manche jetzt, wo so viele Heilungsberichte vorliegen, fordern den Umgang mit dem Virus zu verändern und die Maßnahmen der Ausgangssperre zumindest zu modifizieren. Dies wird ja auch von zahlreichen Schulmedizinern gefordert und aktuell viel diskutiert. Auf alle Fälle plädiere ich sehr dafür, dass wir derzeit alle Resourcen nutzen sollten, die uns helfen besser mit Corona klarzukommen und Menschen heilen können. Dies nicht zu tun aufgrund von Unkenntnis oder Vorbehalten gegenüber alternativen Heilmethoden, finde ich sehr bedauerlich.

Ich komme noch einmal auf den Prozess der Transformation zurück: Wie ich bereits sagte, beginnt sie häufig mit einem Aufrütteln. Im Anschluss daran führt andauernde weitere Gewalt in der Regel zu weiterer Verhärtung und Verdichtung. Zur konstruktiven Verarbeitung eines Schocks bedarf es jedoch eines sicheren Raums, in dem Menschen den Mut finden sich berühren zu lassen, von dem, was sie erschüttert hat. Wenn Menschen ihre tieferen Gefühle zuzulassen, können sie daraus ganz neue Einsichten gewinnen, die in ihnen selber begründet sind anstatt überwiegend auf der unreflektierten Übernahme oder Ablehnung der Meinungen von Erziehern, Lehrern und Vorbildern im Außen. Es braucht einen Raum des Zuhörens und des Mitgefühls, einen Raum, der die Möglichkeit des Verzeihens einbezieht.
In den vergangenen Jahren habe ich mehr und mehr gelernt Entwicklungsprozesse in immer größeren Zeiträumen zu betrachten. Unserer eigene innere Entfaltung sowie die Jahrzehnte lange Erfahrung in der Begleitung von Menschen haben uns gelehrt zu erkennen, dass ein tiefgreifender Befreiungsprozess eines Individuums viele Jahre und Jahrzehnte braucht. Ich persönlich gehe inzwischen sogar weit darüber hinaus. Ich lerne das Leben mehr und mehr in dem ewigen Kontinuum zwischen Inkarnation und der Reise jenseits der physischen Welten zu betrachten.

Seit Jahren übe ich mich im ständigen Perspektivenwechsel. Dies kann so aussehen, dass ich versuche ein einzelnes Ereignis von möglichst vielen Blickwinkeln zu betrachten. Oder ich bewege mich auf einer horizontalen Achse von der völligen Verschmelzung mit meinem physischen Körper und meiner jetzigen Persönlichkeit hin zu immer weiterer Loslösung. Oftmals erlebe ich diese Bewegung auch kugelförmig. Ich dehne mich immer weiter aus und spüre dabei auch immer mehr und tiefer, was um mich herum geschieht. Dann wird es noch weiter, immer feinstofflicher.

Je nachdem, von wo aus ich das aktuelle Geschehen betrachte, ergeben sich für mich immer wieder verschiedene Einsichten. Wenn ich zum Beispiel ganz mit meinen menschlichen Gefühlen verbunden höre, dass in manchen Teilen von Peru derzeit ein Schießbefehl gilt für diejenigen, die die Ausgangssperre missachten, dann wird es mir ganz anders. Oder, dass in Indien gerade aufgrund der radikalen Quarantänebestimmungen gut 200 Millionen Menschen aus der ärmsten Schicht Gefahr laufen zu verhungern, wenn sich nicht schnell wieder etwas ändert. Aus naher Sicht betrachtet geschieht gerade so viel, was mich wirklich tief erschüttern kann. Ich lasse das ganz bewusst immer wieder zu, weil ich es für meine psychische Gesundheit für wichtig erachte. Alles ist in Ordnung, jede Wut, Trauer, Ohnmacht, solange es einfach wahrgenommen wird, uns wieder tief mit uns selbst verbindet und dann auch zu einem Handeln mit tieferer Anbindung führt. Mit mehr Abstand betrachtet, komme ich immer wieder auf unsere gesamtgesellschaftliche Situation zurück und wünsche mir hier grundlegende Reformen. Mit noch mehr Abstand betrachtet sehe ich das Kontinuum des Leben, dass sich gerade wandelt und reinigt.

An schnelle Veränderungen von Individuen, geschweige denn von ganzen Systemen, glaube ich bisher also eher nicht. Aber ich glaube an so etwas wie einen „Umkehrpunkt“ in der Geschichte. An die Möglichkeit von Ereignissen, die so gravierend sind, dass sich von dort aus ein grundlegender steter Wandel entwickeln kann. Mit mehr oder weniger heftigen möglichen Rückschlägen auf dem Weg, aber dennoch eine neue Bewegung.

Und vielleicht finden wir auch auf dieser Erde irgendwann wieder in eine Gesellschaft, die in Respekt miteinander und in Harmonie mit der Natur und den kosmischen Gesetzen lebt. In Zeiten einer Krise oder von großer Bedrängung und Not ist es ratsam zu überprüfen, welche Form von Widerstand gerade notwendig und hilfreich ist. Eine Frage, die gar nicht leicht zu beantworten ist. Auf alle Fälle ist es zu allen Zeiten ratsam, die Freiheit im Inneren zu finden und weiter auszudehnen. Je mehr Menschen dies tun, umso schneller werden wir auch im Äußeren die Freiheit finden, nach der sich so viele Menschen sehnen.

Maria Schneider

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