Abwarten – offen bleiben

Autor: Finn Schneider

Heute Morgen erreichte mich die Nachricht einer Gefährtin, die ich aufgrund ihrer Sensibilität und ihres großen Herzens schätze. Sie schickte mir den Link zum Video eines deutschen Arztes, der seit dem Auftreten der Corona-Krise das nun 9. Aufklärungsvideo online gestellt hat. Darin kritisiert er die Einschätzung der Gefährlichkeit von Covid-19, sowie die aus seiner Sicht völlig überzogenen Maßnahmen unserer Regierung, und fordert vehement eine neue Bewertung der Statistiken und Messmethoden, auf denen sie beruhen. Er verweist auf den Widerstand im 2. Weltkrieg und teilt mit viel Emotion die Frage, ob es nicht wieder an der Zeit ist, sich einer beginnenden Diktatur entgegenzustellen. Man spürt die große Angst und Verzweiflung eines sensiblen Menschen und fragt sich nach dem Anschauen erst einmal selbst, ob man nicht etwas Gravierendes übersieht und vielleicht handeln muss, um gegen die horrenden Folgen einer surrealen Massenhysterie zu kämpfen.

Die Gefährtin schreibt dazu:
„Lieber Finn
Was passiert hier? Ich bin sehr verunsichert…
Ich habe gelesen, was Maria geschrieben hat und verstehe die ganze Situation überhaupt nicht. Einerseits ist der Himmel wieder blau und andererseits diese große Ungewissheit, wirtschaftliche Einbrüche und wirklich apokalyptische Zukunftsszenarien.  Ich weiß nicht, wie ich das alles einordnen kann.“

Sie ist damit nicht alleine. Seit unserer Rundmail im Herzensalchemie-Verteiler haben meine Frau Maria und mich viele solcher Nachrichten erreicht. Oft mit Links zu Texten und Videos und einer Bitte um Einschätzung, so dass wir kaum hinterher gekommen sind. Wie vielen Menschen weltweit wird es gerade so gehen? In tiefer Sorge um die persönliche und kollektive Zukunft. Um ihre Familien, ihre Freunde. Unsicher, wie die fast diktatorischen Einschränkungen einzuordnen sind.
Nicht wenigen macht die „Vernunftpanik“ vieler Zeitgenossen Angst, die immer strengere und oft absurde weitere Restriktionen zur Bekämpfung der Krise von den Politikern fordern. Diese Sehnsucht nach starken Männern und starkem Staat in Zeiten der Krise beunruhigt etliche historisch gebildete Menschen.

Wie lange werden die Einschränkungen anhalten? Sind sie gerechtfertigt? Richten sie die Welt erst so richtig zu Grunde?

Ich bin kein Immunologe, aber trotz meines Wirkens als spiritueller Begleiter habe ich immer noch eine tiefe Leidenschaft für gute Wissenschaft, deren Entwicklung ich in meinen Interessensgebieten gerne verfolge. Während meiner Promotion über Achtsamkeit in pädagogischen Kontexten, die ich aufgrund meiner Hirnhautentzündung leider abbrechen musste, hat mich mein Doktorvater gnadenlos durch die Standardwerke der Statistik und ihre 1000 Spielarten statistischer Verzerrungen gejagt. Auch wenn ich kein Wissenschaftler mehr bin, traue ich mir immer noch zu wissenschaftliche Berichte einigermaßen zu deuten bzw. einzuordnen.

Ich habe neben den offiziellen Quellen auch die kritischen Berichte in einer Vielzahl von Artikeln und Videos studiert und auf mich wirken lassen – manche davon sogar auf Facebook geteilt, weil sie weitere Perspektiven ins Spiel bringen und einer tiefen Sorge entspringen.

Darin werden die weltweiten Maßnahmen der  Regierungen in Frage gestellt und auf Diskrepanzen in den Statistiken und Messungen verwiesen. Corona sei eine überbewertete Grippe, deren panikartige Bekämpfung letztlich viel mehr Opfer schafft als dadurch gerettet werden. Eine wachsende Unsicherheit und Angst um die demokratische Freiheit macht sich breit.

Hier ein paar exemplarische Beispiele:
– Die Internetseite von Wolfgang Wodarg, einem Lungenfacharzt, ehemaligen Politiker und Vorsitzenden der Gesundheitskommission des Europarats, der wichtige Aufklärungsarbeit zu den Einflüssen der Pharmalobby auf die WHO nach der letzten Pandemie geleistet hat.

 – die Interviews des Immunologen und Toxikologen Stefan Hockertz
(sein Interview im Berliner Rundfunk wurde inzwischen auf Youtube gelöscht, findet sich aber noch hier). Hockertz kritisiert darin „dass die Dunkelziffer der „versteckt Infizierten“ bei der Berechnung der Sterbeziffern berücksichtigt werden müsse. Außerdem müssten die Todesfälle abgezogen werden, bei denen die Betroffenen zwar an COVID-19 erkrankt seien, aber aufgrund einer anderen Ursache gestorben seien. Nach dieser Berechnung fielen die Sterberaten bei COVID-19 auf das gleiche Niveau wie die Sterberaten bei anderen Formen der Grippe.“ (Wiki)

– Dr. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Mikrobiologie Interview

– das Schweizer Infoportal swprs.org, das vielen als wichtige deutschsprachige alternative Nachrichtenquelle zu Covid-19 gilt

– ein Text vom Münchner Kinderarzt Martin Hirte

– die 9-teilige Videoreihe des ärztlichen Leiters der Schwindelambulanz Dr. Bodo Schiffmann

– ein Video (Autor unbekannt), das Unstimmigkeiten zur Corona-Epedemie zusammenfasst

– die hervorragende NDR-Dokumentation von 2009 „Profiteure der Angst – SARS H1N1 H5N1 – Impfstoff-Marketing mit erfundenen Pandemien“

– eine Zusammenfassung vieler Kritikpunkte liefert auch der spanische Journalist Javier Aymat. (Mit Google Übersetzer für jeden gut lesbar)

– zuletzt eine Antwort zu einigen Kritikpunkten der oben genannten Autoren – alle Seiten zu hören ist wichtig.

Es scheint so, dass momentan viele Menschen auf dem spirituellen Weg derartige Sichtweisen als eine Art alternative „Wahrheit“ über die Corona-Krise adaptieren und in innere Opposition zu allen „Mainstream-Nachrichten und Maßnahmen gehen. Ich setze mich zutiefst dafür ein, dass diese Meinungen gehört und frei diskutiert werden dürfen – auch wenn ich so manchen Standpunkt nicht teile. Weil ich die Gefühle dahinter verstehe und respektiere!
Mir tut es auch in der Seele weh, dass eine Diktatur wie China und in Europa eine Wohl-bald-Diktatur wie Polen das Virus besser einzudämmen scheinen wie die meisten Demokratien. Dass sich digitale Handy-Überwachung von Infizierten und Einschränkungen der persönlichen Freiheit, wie sie vor zwei Wochen in demokratischen Ländern noch völlig unmöglich galten, in der Bekämpfung der Pandemie möglicherweise als erfolgreich erweisen und damit eine unheilsame Legitimation erhalten.
Dass das Grundrecht auf Asyl klammheimlich und illegal ausgesetzt wurde. Dass die Folgen des weltweiten „Shutdown“ unzählige Menschen in Ländern ohne jede soziale Absicherung in eine existenzbedrohende Situation führt und vielleicht zu Millionen Todesopfern in ärmeren Ländern führt. Dass wohlmöglich wie nach jeder großen Krise die Reichen noch reicher und die Armen noch ärmer werden.
Dass die totale Überwachung Standard wird, wie es Yuvel Noah Harari hier analysiert. Und und und …
Treiben wir die Pest mit der Cholera aus und machen alles nur schlimmer?

Ich weiß es nicht, aber ich sehe nach dem erneuten Sichten vieler aktueller Quellen keine große Verschwörung auf wissenschaftlicher Seite. Diese Einschätzung möchte ich einfach teilen.

Hier noch einmal zur Erinnerung jenes Szenario nach momentanen Stand der Wissenschaft erläutert, aufgrund dessen so viele Länder ihre Restriktionen in Gang gesetzt haben:
(Bitte dabei nicht an den Zahlen aufhängen, die sich ständig ändern und je nach Quelle unterschiedlich sein können. Es geht um Größenordnungen.)

Covit 19 ist ein neuartiger Virus, gegen den es bislang noch keine weltweite Herdenimmunität gibt wie gegen vergleichbare Grippeviren. Das Virus verbreitet sich zunächst explosiv in den oberen Atemwegen, weshalb es so leicht über Tröpfcheninfektion weitergegeben wird. Zudem hält es sich relativ lange an bestimmten Oberflächen, was die Infektionsrate zusätzlich erhöht. Das große Problem der hohen Ansteckungsrate erklärt sich auch durch die lange Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen und den milden Verlauf bei ca. 80- 90% der Infizierten. (Je nach Quelle schwankt die Rate der schweren Verläufe zwischen 10 und 20% – zum Teil auch weniger.) Infizierte können unwissentlich bis zum Ausbruch der Erkrankung oder während eines unbemerkten Verlaufs unzählige Menschen anstecken, denen sie im Alltag begegnen.
Die allermeisten Immunologen weltweit warnen vor dem gleichen Katastrophenszenario, das Politikern den Angstschweiß auf die Stirn treibt
.
Ohne die momentanen weitreichenden Maßnahmen der Quarantäne und Isolation prognostizieren sie die Ansteckungsrate als exponenziell. D.h. die Infektionsraten verdoppeln sich erst wöchentlich, dann täglich und noch schneller, bis irgendwann so viele Menschen infiziert sind, dass die Rate wieder langsam runtergeht. In der gefürchteten „Peak-Phase“ reichen bis zu 10% schwere Verläufe (noch nicht valide), von denen vielleicht ein Drittel ohne künstliche Beatmung sterben könnte (also ca. 3%) , um unsere Gesundheitssysteme und Teile der Wirtschaft zum Kollabieren zu bringen. Solange die Anzahl der an Covid-19 Erkrankten noch so gering ist, dass alle Patienten mit schwerem Verlauf behandelt und mit Sauerstoff beatmet werden können, bleibt die Sterberate ziemlich niedrig (in Deutschland zurzeit offiziell bei etwa 0,4%). Unbehandelt würde – nach den jetzigen Erfahrungen in anderen Ländern  – ein beträchtlicher Anteil dieser schweren Verläufe an Covid-19 sterben – vor allem durch Ersticken. Wenn in einem Land wie Deutschland mit ca. 80 Millionen Einwohnern 10 % Infizierte bei einem ungebremsten Peak einen schweren Verlauf haben und jeder Dritte beatmet werden muss, kommen die Forscher in manchen Modellen auf über 2 Millionen Infizierte, die eine intensivmedizinische Betreuung brauchen und ohne Sauerstoff sterben! Die momentane Kapazität in Deutschland liegt bei 28000 Intensivbetten und wird gerade auf ca. 50000 aufgestockt. (Bei all diesen Zahlen gibt es unterschiedliche Quellen – es geht hier nur im die Größenordnung). Im Extremfall könnte also nur noch jeder 20. Patient ausreichend behandelt werden.

Die Raten von 10% schweren Verläufen beziehen sich auf die Gesamtzahl der Bevölkerung. Bei alten und vorbelasteten Menschen sind sie ungleich höher. In Altenheimen und Krankenhäusern können die Raten von schweren Verläufen aufgrund des hohen Alters und vermehrten Vorerkrankungen der Patienten auf Quoten bis 70 oder 80% steigen. Ganze Altenheime werden zu Todesfallen, wie es in Italien teilweise zu sehen ist. Vor 3 Tagen starben in einem Pflegeheim in Würzburg gleich 9 Patienten an Covid 19, was als weiterer Beleg für hohe Mortalität in Altenheimen gewertet wird.
Millionen von Menschen wären aufgrund ihres Alters, Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder durch Rauchen und Feinstaub geschwächte Immunabwehr in den Lungen mit einer Chance von 1:20 mit dem Tod bedroht, sollten sie einen schweren Verlauf haben. Momentan haben wir 18 Millionen Menschen in Deutschland mit einem Alter über 65. Hunderttausende Menschen könnten im schlimmsten Fall unbetreut und in Isolation gehalten in den Gängen der Krankenhäuser und Notlazaretten vor sich hinsiechen und langsam ersticken. Irgendwann geht sogar das Morphium aus, was anfangs noch einen gnädigeren Tod gewähren würde. In der Wirtschaft würden in der Breite so viele Menschen sterben oder vorübergehend schwer erkranken, dass Liefer- und Produktionsketten zusammenbrechen. Eine viel zitierte Studie des angesehenen britischen Imperial College (vom 18.3.20) sagt bis zu 2.2 Millionen Tote in den USA voraus, wenn keinerlei Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionsraten getroffen werden.

In diesem Szenario könnte die Stimmung in der Bevölkerung irgendwann völlig kippen. Von Angst zu echter Panik mit unkontrollierten Hamsterkäufen bis Verlust der öffentlichen Ordnung, was den Einsatz von Militär notwendig macht, um Plünderungen zu verhindern. Noch mehr Angst und Panik. Viele Menschen weigern sich zur Arbeit zu gehen, um nicht angesteckt zu werden, und Hunderttausende von Lücken in der Wirtschaft entstehen, was neben den Erkrankten und Gestorbenen zusätzlich die Abläufe sabotiert.

Dies also sind Perspektiven eines wissenschaftlichen Szenarios ohne Maßnahmen der Isolation, die zu einer exponentiellen Ausbreitung von Covid-19 in kurzer Zeit führen könnten. Und angesichts der Berichte aus Italien und großen Metropolen wie Madrid, New York oder New Orleans darf man sie nicht als reine Panikmache verwerfen.

Aus diesem Blickwinkel werden die wirtschaftlichen Folgen von Kontaktsperre bis Shutdown immer noch als das kleinere Übel gesehen gegenüber dem Chaos und Leid, das eine exponentielle Infektionsrate mit sich bringen könnte.
Die bislang geringen Todesfallzahlen in Deutschland werden damit erklärt, dass wir uns auf der Zeitachse noch 2-4 Wochen hinter anderen Ländern befinden und durch die strengen Maßnahmen die Infektionsgeschwindigkeit so verlangsamt wurde, dass wir bislang noch alle Patienten adäquat behandeln können.
Vor dieser extremen Krise haben die Staaten Angst, weshalb es zu den ganzen restriktiven Maßnahmen kommt, um die Anzahl der schweren Verläufe zeitlich zu strecken. 
Diese Einschätzung wird in nahezu allen großen deutschen Nachrichtenportalen (SPON, Welt, Zeit, Faz, SZ) weitgehend einstimmig geteilt, aber auch kritisch diskutiert. Von einer Gleichschaltung der Medien kann aus meiner Sicht keine Rede sein. Die meisten Journalisten beziehen sich auf Daten des Robert Koch Instituts und „European Centre for Disease Prevention and Control
Eine weitere gute Quelle ist das Institute for Health Metrics and Evaluation der Universität Washington.

Es ist zu vieles noch über Covid-19 unerforscht, um abschließend zu sagen, wo die Regierungen vielleicht über das Ziel hinausschießen. Welche der genannten Kritiker vielleicht wo Recht haben und wo nicht. Manches passt nicht ganz zusammen, ja – und diese Stimmen müssen gehört werden dürfen, ohne sie gesellschaftlich zu ächten. Aber Kritiker mit fachspezifischen Hintergrund sollten auch bereit sein, sich mit Kollegen darüber auszutauschen, um in der Diskussion gemeinsam zu mehr Klarheit zu finden. Vor allem die Datenlage zu der tatsächlichen Mortalitätsrate ist noch unzureichend.

Im Augenblick ist es der Konsens eines absoluten Großteils der weltweit beteiligten Wissenschaftler, dass wir einen expotentiellen Peak um jeden Preis verhindern müssen, um eine noch größere Krise abzuwenden. In den letzen Tagen vermehren sich die Hinweise, das die Sterblichkeitsraten geringer sind als befürchtet, wenn auch immer noch so hoch, dass eine ungebremste Ausbreitung zu einem Kollaps führen kann.
Die Idee der sozialen Distanz ist nicht neu. Schon während der Spanischen Grippe, der größten Pandemie der Neuzeit, wurde sie erfolgreich angewandt. Der National Geografic hat hier in Grafiken die Auswirkungen der damaligen Pandemie zwischen Städten verglichen, welche soziale Distanz eingeführt haben – und welche nicht. Aufschlußreich!
How some cities ‘flattened the curve’ during the 1918 flu pandemic
Deshalb halte ich wachsame Geduld für angebracht, trotz mancher Zweifel. Ein bis maximal zwei Monate gesellschaftlicher Stillstand sind mit angemessener staatlicher Hilfe irgendwie noch verkraftbar, falls die Wissenschaftler in ihren Prognosen im Wesentlichen Recht haben.
Wenn sich dann aber zeigt, dass die Krankheit doch nicht so schlimm ist wie erwartet, müssen die Restriktionen sofort und komplett ohne gesetzliche Schlupflöcher wieder aufgehoben werden. Oder sollte sich herausstellen, dass die Konsequenzen eines noch längeren Stillstandes die akuten gesundheitlichen Folgen des Virus weit übertreffen. Dann braucht es viele Stimmen, die sich melden. Dafür lohnt es sich später uneingeschränkt einzusetzen.
Eine kluge und facettenreiche Analyse des Für und Wider der Einschränkungen, möglichen Übertreibungen der Todesrate und einen weiten Blick auf die Potentiale der Krise teilt der bekannte Kulturphilosoph Charles Eisenstein in seinem Blog: Unbedingt lesenswert
Aber sich jetzt schon festzulegen und Tausende von beteiligten Wissenschaftlern, die meist selbst Familien haben und sich der aberwitzigen Konsequenzen des weltweiten Stillstands bewusst sind, zu lobbyistischen Idioten zu erklären, halte ich für nicht weise.
Allerdings ist die Ignoranz und Arroganz vieler Wissenschaftler gegenüber alternativen Behandlungsmethoden auch nicht gerade vertrauenseinflößend. Der in der Schweiz berühmte Arzt Maximilian Bircher-Benner heilte während der Spanischen Grippe 1918 unzählige Menschen mit Hypothermen Bädern – also indem die Abwehrkräfte gestärkt und die Temperatur erhöht wird, um das Virus abzutöten.
Hier ein Interview dazu seines bedächtigen Enkels, einem bekannten Schweizer Arzt.
Auch die immer aggressiveren Medienkampagen gegen Homöopathie verzerren die Wirklichkeit und verhindern wichtige Impulse, wie diese alte Heilkunst uns in Zeiten der Pandemie unterstützen kann. Dazu kann ich diesen klugen und ganz wundervollen, berührenden Film empfehlen.
Wir können als Einzelne gerade an den politischen Maßnahmen nichts ändern, die vielleicht für eine vorübergehende Zeit vollkommen richtig sind – und auf Dauer vielleicht vollkommen falsch.
Natürlich steht es uns frei in die innere Opposition zu gehen, in lähmende Wut, Trauer, Verzweiflung zu allen, weil alle Welt – uns ausgenommen – einer verrückten Corona-Hysterie verfallen zu sein scheint.

Oder die kommenden 2-3 Wochen einfach mal abwarten und beobachten. Das Leben hat uns ins Retreat gesetzt. Selbst wenn sich die Regierungen im großen Maßstab irren sollten, könnte es – wie auch Maria in ihrem Blog bereits geraten hat – einfach heilsamer sein, sich dem positiven Veränderungspotential der Krise zuzuwenden als mit Allem zu hadern. Warum nicht erst einmal danach trachten eine gute Energie, Liebe und Kreativität in die Welt zu bringen, anstatt die Angst und den Widerstand weiter anzufachen?
Wir könnten die Zeit nutzen, Herz, Körper und Geist zu stärken, um zu einer tieferen inneren Ruhe mit dem Weltgeschehen zu kommen. Unser Leben neu bewerten, ungesunde Angewohnheiten loslassen. Einen neuen und freieren Herzensraum entdecken, der ein wenig losgelöster als bisher mitfühlt – multiperspektivischer denken und fühlen. Eine überpersönliche Weite entdecken, die sich ihrer Verengungen und Wahrnehmungsfilter immer mehr bewusst wird und deshalb keine Extreme predigt, ohne in Ruhe zu prüfen. Offen bleiben, abwägend mit Herz und Verstand, ohne sich dogmatisch festzulegen.
Und sich nicht verrückt machen lassen oder andere verrückt machen!

In unserer Mitte haben wir diese wundersame Fähigkeit mit einfach allem klarzukommen, wenn wir uns in voller Akzeptanz drauf einlassen. Sie blitzt in Zeiten der Krise leichter auf als im vertrauten Alltag. Covid-19 öffnet eine Lücke zum „Sense of Coherence“. Auch das ist eine Faccette der Corona-Krise.

Offen bleiben – Abwarten – Carpe diem 🙂

  • Für diejenigen, die die Pandemie für einen kompletten Fake halten, verweise ich (neben den steigenden Fallzahlen schwerer Fälle in aller Welt) hier noch einmal auf den Bericht eines italienischen Arztes aus der Lombardei.  Zahlen sind eine Sache, gefühlte Berichte eine ganz andere … :

Julian Urban, 38, Arzt aus der Lombardei: »Niemals, auch nicht in dunkelsten Albträumen, hätte ich mir vorgestellt, zu erleben, was hier in unserem Krankenhaus seit drei Wochen vor sich geht. Der Fluss dieses Albtraums wird immer nur größer. Zuerst kamen einige Infizierte, dann Dutzende, dann Hunderte, und jetzt sind wir nicht mehr zuerst Ärzte, nein, wir sind zu Sortierern am Band geworden. Wir entscheiden, wer leben und wer nach Hause geschickt werden soll, um zu sterben.

Bis vor zwei Wochen waren meine Kollegen und ich Atheisten. Es war völlig normal, dass wir es waren, die Wissenschaft schloss für mich die Existenz Gottes aus. Ich habe immer darüber gelächelt, dass meine Eltern in die Kirche gingen.

Vor neun Tagen kam ein 75 Jahre alter Priester zu uns. Er war ein freundlicher Mann, hatte ernsthafte Atemprobleme, brachte aber eine Bibel mit. Es beeindruckte uns, dass er sie den anderen vorlas und den Sterbenden die Hand hielt.

Wir waren alle zu müde, entmutigt, psychisch und physisch fertig, um ihm zuzuhören. Jetzt aber müssen wir es zugeben: Wir Menschen sind an unsere Grenzen gekommen. Wir sind erschöpft, wir haben zwei Kollegen, die gestorben sind, andere von uns wurden infiziert. Wir müssen erkennen, dass wir Gott brauchen. Wir bitten ihn nun um Hilfe, wenn wir ein paar freie Minuten haben. Wir reden miteinander und können es noch nicht glauben, dass wir als Atheisten jetzt jeden Tag auf der Suche nach Frieden sind. Dass wir den Herrn bitten, uns zu helfen, uns Kraft zu schenken, damit wir uns um die Kranken kümmern.

Gestern ist der 75-jährige Priester gestorben. Obwohl es in unserem Krankenhaus innerhalb von drei Wochen über 120 Todesfälle gab und wir alle erschöpft und verstört sind, hat es dieser Priester trotzdem geschafft, uns einen FRIEDEN zu bringen, den wir nicht mehr zu finden hofften.“ Quelle: https://www.zeit.de/2020/14/italien-priester-coronavirus-infizierte-tote-vorbilder

Mir kam die Idee des „Netzwerk Herzensalchemie“ nach dem Lesen dieses Berichts. Sollte dies eine potentielle Zukunft in vielen deutschen Krankenhäusern sein, will ich dafür bereit sein, auch dort zu helfen – und andere dafür stark machen. Wenn es nicht so kommt, umso besser. Dann sind wir groß im Herzen für die Welt, wo auch immer sie sich hinentwickelt.
Bis dahin übe ich mich darin für alle Meinungen, Emotionen und Veränderungen in der Krise offen zu bleiben, und meine innere Haltung immer wieder neu auszuloten.

** das Titelbild stammt (mit ihrer Genehmigung) aus der wunderbaren Sammlung der Künstlerin Marie. Man kann ihre Bilder als im Original und als hochwertige Drucke über den Shop ihrer Webseite erwerben.
https://www.marigoldart.com

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